Praxis fuer Lerntherapie

Lerntherapie für Lernende in der Berufslehre

Könnerschaft im Lernen - Erfolg an der Lehrabschluss-Prüfung

"Ich steige unten ein und oben aus."

Diesen Satz hat mir Sebastian, ein Koch-Lernender zu Beginn des dritten, also letzten Lehrjahres und zum Abschluss der Lerntherapie aufgeschrieben. Er hat damit seine Einsicht in seinen problembeladenen, schwierigen Werdegang zusammengefasst. Er hat damit auch erfolgreich und gelungen seine Lerntherapie beendet und das letzte Lehrjahr im Alleingang, zuversichtlich und selbstsicher in Angriff genommen.

Es wird schwierig

Ratlos und in grosser Sorge um den Fortbestand der Kochlehre ihres Sohnes meldeten sich die Eltern bei mir. Sebastian war im 2. Semester des ersten Lehrjahres. Anfänglich lief alles gut. Sebastian hatte die Lehrstelle selbst gefunden und auf Grund einer viel versprechenden Schnupperlehre auch bekommen.

Es droht ein Lehrabbruch

Nun aber traten allerorten Schwierigkeiten auf: Der Lehrmeister war in hohem Masse unzufrieden und enttäuscht von Sebastian. Die Noten in der Berufsschule waren unterdurchschnittlich und drohten weiter zu sinken. Gesundheitlich war Sebastian am Rumpf, er konnte nicht mehr schlafen, ging verängstigt und kreidebleich zur Arbeit und verstummte immer mehr. Die Auflösung des Lehrvertrages war im Gespräch. Es drohte der Abbruch einer Lehre, die sich Sebastian zutiefst gewünscht hatte.

Hilfe!

Sebastian sagte selbst: "Ich kann nicht lernen. Ich kann mir nichts einprägen. Es bleibt nichts hängen."

Der Lehrmeister vermeldete: „Er ist zu langsam. Er ist nicht teamfähig. Er integriert sich nicht. Er führt seinen Rezeptordner nicht nach. Er ist ein Minimalist. Er ist nicht interessiert am Kochen. Er fragt nichts.“

Der Berufsschullehrer meinte: "Sebastian ist durchaus fähig, die Lehre zu absolvieren."

Ich erlebte einen hoch motivierten, lernwilligen, aber schwer blockierten jungen Mann.

Sebastian sagte zu mir: "Schauen sie wie ich lerne, zeigen sie mir wie ich lernen muss."

Ganz unten

Er war in der Tat ganz unten. Das war in seiner Schullaufbahn immer wieder so. Auch gesundheitlich hatte er schon Schwierigkeiten. Das kannte er. In der Primarschulzeit trug er an beiden Beinen Schienen. Er wurde damals in die Kleinklasse zurückversetzt.

Ziel

Aber er wollte Koch werden, schon von klein auf. Das war sein absoluter Wunschberuf.

Die Lerntherapie

Wie setzt eine Lerntherapie in diesem Fall ein? Sebastian war trotz allem motiviert. Er war lernwillig und liess sich nicht unterkriegen. Er war pünktlich, pflichtbewusst und rechtschaffen.

Er hatte ein gutes Elternhaus. Vieles war in Ordnung. Da war viel Positives. Ressourcen lagen brach.

Ich unterbreitete ihm einen Arbeitsplan (Förderplan):

  1. Lerntechniken, Arbeitstechniken kennen lernen, immer mit dem aktuellen Schulstoff. Sofort und konkret lernen. In der Berufsschule den Stützkurs belegen.
  2. Die Persönlichkeit wachsen lassen, z. B. durch Rollenspiele mit konkreten Situationen im Betrieb. Probleme und Missverständnisse ansprechen, und ganz wichtig: Kommunikation üben.
  3. Umgang mit Angst, Widerständen, Unsicherheit. Nach innen schauen. Die eigene Gefühlswelt kennen lernen.

Sebastian ging auf die Vorschläge ein. Es entstand ein fruchtbares Arbeitsbündnis.

Verbesserung

Das führte bald zu einer deutlichen Veränderung der Situation. Die Schulnoten wurden besser, die Leistungen stabiler. Bei seinem Lehrmeister wuchs die Zufriedenheit.

Es hielt aber nicht lange an. Noch eine Krise und noch eine Krise mussten bewältigt werden. Viele Gespräche mit dem Lehrer, mit den Eltern, mit den Personen im Lehrbetrieb, mit den Personen des Amtes und mit Fachleuten wurden geführt. Das Klima im Lehrbetrieb wurde angenehmer. Die Lernkompetenz und die Handlungskompetenz von Sebastian erstarkten. Er wurde autonomer und freier, nahm nach eineinhalb Jahren seine Berufslehre in die eigenen Hände und geht nun zielsicher auf die Lehrabschlussprüfung zu. Das Schulische hat er im Griff und im Betrieb bekommt er die Anerkennung, die ihm zusteht.

"Ich steige unten ein und oben aus."